Im Gütersloher Verlagshaus erschien das provokante Buch von Markus Reiter zu den Themen Medienrevolution und verantwortungsvollem Umgang mit dem Netz
Dumm 3.0. Zugegeben: ein provokanter Titel. Aber angesichts dessen, was Tag für Tag in den Neuen Medien kommuniziert wird, eine wichtige und nötige Provokation. Macht uns das Netz mit seinen unüberschaubaren Angeboten in sozialen Netzwerken und Communities zu willenlosen Medien-Zombies? Werden die klassischen Medien immer weiter ausgehöhlt, bis der kritische Journalismus keine Funktion mehr in unserer Demokratie besitzt? Verkommt unsere Bildung zum “Drag-and-Drop”-Wissen? Sind wir auf dem Weg zu einer Informationselite auf der einen Seite und einer unwissenden, leicht verführbaren Masse in den unteren Gesellschaftsschichten?
Das Buch wendet sich an alle, die sich Gedanken um die Zukunft unserer Gesellschaft machen und den Disput um neue und alte Medien verfolgen. Klassische Vertreter, die sich an die zerbröckelnden Strukturen ihrer Medien klammern und die Sicht nicht auf Neues freigeben, blockieren von der einen Seite die Entwicklung – von der anderen Seite drängen die neu erwählten Internet-Evangelisten und Alpha-Tiere des Web 2.0 in neue Gefilde des Web-Universums. Echte Kritik ist auf beiden Seiten oft verpönt und die Haltungen prallen mit Unverständnis aufeinander. Dabei ist, nach Markus Reiter, die momentane Entwicklung eine neue Herausforderung für die Aufklärung. Die egalitäre Gesellschaft, die Netzapologeten gerne heraufbeschwören, hält er für eine Illusion. Die gesellschaftliche Spaltung, die so entsteht, führt seiner Meinung nach zu einer Informationselite mit absolutistischen Machtfaktoren und einem dummen Rest, der sich mit Massenware und dumpfem Konsumismus zufrieden gibt. Die Gefahr für die Demokratie wächst mit dem kritiklosen Anbeten des Götzen Internet. Dabei ist Reiter nicht gegen die Technologie, er nutzt sie selber und besteht auf den ihr inne liegenden Fortschritt für die Gesellschaft. Es will mit seinem provokanten Buch nur erreichen, dass der Einzelne begreift, dass der verantwortungsvolle Umgang mit dem Netz die Zukunft ist. Und dass die Chance im der dritten Medienrevolution in der Qualität und der journalistischen Sorgfaltspflicht verankert liegt. Nur dann arbeitet das Internet für den Menschen, schafft eine neue, eigenverantwortliche Bildung und setzt damit Akzente für eine bewusstere Zukunft.
Markus Reiter ist Kommunikationstrainer, Journalist und Medienberater. Mit seinem Büro “Klardeutsch” in Stuttgart unterstützt er Zeitungen, Zeitschriften und Internet-Redaktionen beim Medienwandel. Reiter hat Politikwissenschaft, Volkswirtschaftslehre und Geschichte an den Universitäten Bamberg, Edinburgh und der FU Berlin mit dem Abschluss Diplom-Politologe studiert. Nach Tageszeitungs-Volontariat war er freier Mitarbeiter u. a. für das Deutsche Allgemeine Sonntagsblatt, die Neue Zeit und die Berliner Morgenpost. Dann PR-Berater für Politik in europäischen Projekten. 1997 bis 2000 zunächst Reporter, dann stellvertretender Chefredakteur von Reader’s Digest Deutschland. 2000 bis 2002 Feuilletonredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Von Januar 2003 bis September 2006 war Reiter Chefredakteur und Mitglied der Geschäftsleitung einer süddeutschen Kommunikationsagentur. Markus Reiter ist Dozent in der Aus- und Weiterbildung an mehreren Journalisten-Akademien, darunter der Akademie der Bayerischen Presse, der ARD-ZDF-Medienakademie und der Akademie des Deutschen Buchhandels. Er hat zahlreiche Bücher und Artikel zum Thema Sprache, Kommunikation und Medien veröffentlicht. Reiter lebt in Stuttgart und Berlin.
Markus Reiter
Dumm 3.0
Gütersloher Verlagshaus 2010
192 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, € 17,95
ISBN 978-3-579-06883-1
Kurzlink: http://bit.ly/ahs8Cr
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