Thea von Harbou (1888-1954) ist heute vor allem als Drehbuchautorin der Stummfilmzeit bzw. der Weimarer Republik sowie als Ehefrau von Fritz Lang bekannt. Die an der Universität zu Köln entstandene Dissertation Der Krieg und die Frau. Thea von Harbous Erzählwerk zum Ersten Weltkrieg von Andre Kagelmann nimmt nun zum ersten Mal systematisch die ‘vergessene Schriftstellerin’ Thea von Harbou in den Blick. Dabei liegt das Hauptaugenmerk der Untersuchung auf den zur Zeit des Ersten Weltkrieges teilweise kanonisierten neun kriegsliterarischen Werken der Autorin. Bemerkenswert dabei ist, daß sie schon im Jahr 1913 ihr erstes (und dann auch gleich erfolgreichstes) Werk der Kriegsliteratur, programmatisch Der Krieg und die Frauen betitelt, veröffentlichte.
Die Kriegsliteratur Harbous wird in der Dissertation detailliert erzähltextanalytisch erfaßt und durch den Werkrahmen der Autorin kontextualisiert; so werden nicht nur literarische Entwicklungslinien deutlich, sondern auch eine zu einem bereits relativ frühen Zeitpunkt konstante Wertmatrix in den erzählten Welten der Harbouschen Literatur. Daneben wird eine thematische und strukturelle Erfassung der Entwicklung der Kriegsliteratur des Ersten Weltkriegs, v. a. der von Frauen, geleistet. Dabei erscheint Harbou als ‚partielle Ausnahme” im Kontext der Frauenkriegsliteratur.
Außerdem legt der Verfasser in seiner Arbeit besonderes Augenmerk auf die Biographie der Autorin; dabei werden auch Thea von Harbous Leben und Wirken während des Nationalsozialismus berücksichtigt. Dies ist deshalb von besonderem Interesse, weil sich um die Rolle sowohl der Privatperson als auch der einflußreichen Filmschaffenden in dieser Zeit immer wieder Kontroversen entzündeten und noch entzünden. Kagelmann zeichnet jedoch, im Gegensatz zu manch gängiger Pauschalisierung bzw. im Unterschied zur simplen Dichotomisierung des Ehepaars Harbou-Lang, ein differenzierteres Bild der Autorin. Dabei unterliegt er aber nicht dem Fehler, ihr privates oder berufliches Verhalten gewissermaßen pro domo beschönigen zu wollen.
Zusammenfassend läßt sich sagen, daß die Arbeit, neben einem grundsätzlichen Beitrag zur Erforschung von Kriegsliteratur (von Frauen), auch eine literaturwissenschaftliche Perspektiverweiterung zu den filmwissenschaftlichen Forschungen zum Werk Thea von Harbous leistet. Der Verfasser versteht die Dissertation daher auch zu recht als eine Arbeit, welche die bisherigen Forschungen zu Person und Œuvre ergänzt.
Buch-Info:
Der Krieg und die Frau. Thea von Harbous Erzählwerk zum Ersten Weltkrieg (Andre Kagelmann); erste Auflage 2009; 361 S.; ISBN: 978-3-939988-04-5; Preis: 29,90 EUR (D).
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